Unruhe in der Nacht

Warum kann Peter in der Nacht nicht gut schlafen?

Menschen mit Demenz leiden im Verlauf ihrer Erkrankung häufig unter Schlafstörungen. Nächtliches Aufwachen, langes Schlafen am Tag oder lange Einschlafphasen stellten für Peter und für mich, eine grosse Belastung dar.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sind bei einer Alzheimer-Demenz keine Seltenheit, da auch die „innere Uhr“ durch die absterbenden Nervenzellen im Gehirn beeinträchtigt werden kann.  Oft irrte Peter umher und fand einfach keinen Schlaf.

Am Tag war er oft müde, döste tagsüber immer wieder ein und war erschöpft und schlapp.

Vor allem das Herumirren machte mir zu schaffen. Er fand weder den Lichtschalter noch die Türe, noch die Toilette und war völlig orientierungslos. Ich versuchte mit Nachtlichtern etwas abzuhelfen, stand immer auf, sobald ich ihn hörte, begleitete ihn zur Toilette, schaute, dass er sich nicht verletzen konnte und verschloss die Haustüre stets gut.

Mein Schlaf war dadurch natürlich auch nie tief und von vielen Unterbrüchen gestört.

Abklärungen

Mit unserer Hausärztin versuchte ich die Ursachen von Peters Unruhe abzuklären. Vielleicht konnte sie ihm ja helfen und dadurch mir natürlich auch. Sie erklärte mir noch einmal die verschiedenen Stadien der Alzheimererkrankung.

Im mittleren Stadium, wo Peter im 2019 ja war, verändert sich die Persönlichkeit, Peter wirkte oft nervös, rastlos, er fühlte sich irgendwie nicht wohl und er war misstrauisch. Dieses Misstrauen, seine Gereiztheit, seine Nervosität und nicht zuletzt seine aggressiven Ausbrüche, waren ein Zeichen seiner fortschreitenden Orientierungslosigkeit.

Gegen Ende der mittleren Phase und im Übergang zur letzten Phase ist, laut unserer Ärztin, der Alltag von einer grossen, meist motorischen Unruhe geprägt.

Peter konnte stundenlang im Haus herumgehen, langsam zwar, aber immer in Bewegung. Oder er ging ums Haus herum, lief auf die Strasse, um irgendwohin zu gehen, oder jemanden zu suchen.

Das Zeitgefühl ging immer mehr verloren. Tag und Nacht, Gestern und Morgen verschwammen mehr und mehr im Nebel.

Ein paar Massnahmen

Mit folgenden Massnahmen versuchte ich Struktur zu schaffen und Orientierung zu geben.

  • Ich versuchte feste Zeiten fürs Aufstehen, Frühstück, Mittagessen und letztlich auch das Abendessen einzuhalten.
  • Besonders im Sommer war es wichtig, das Schlafzimmer ausreichend abzudunkeln. Umgekehrt war es im Winter wichtig für ausreichend Beleuchtung zu sorgen. Generell galt: lieber zu hell, als zu dunkel, da die visuelle Wahrnehmung ebenso nachliess.
  • Ich sorgte für körperliche Aktivitäten am Tag. Körperliche Müdigkeit konnte von Vorteil sein, wenn Peter nachts nicht einschlafen konnte.
  • Abendliche Rituale konnten hilfreich sein, um den Körper auf verschiedenen Ebenen zu signalisieren, dass es Nacht wird. Ich versuchte möglichst immer zur selben Uhrzeit Peter ins Bett zu begleiten. Zähneputzen und waschen gehörten auch zu den Ritualen. Auch, dass ins Bett bringen und zudecken war immer gleich und oft sass ich am Bettrand und liess den Tag Revue passieren. Auch das über den Kopf streichen und ihm gute Nacht sagen, gehörte jeden Abend dazu.

Oft halfen diese Regeln aber nicht und unsere Nächte waren unruhig und ich litt zunehmend an Müdigkeit und Erschöpfung. Meine Nerven lagen blank und ich wurde unleidlich. Nie hätte ich gedacht, dass Schlafmangel so gravierend war und sich körperlich und seelisch derart auswirkte.

Würde ein leichtes Schlafmittel Peter und somit auch mir helfen?

Nebst den Massnahmen Schlafhygiene, körperliche Aktivität und eventuell noch Lichttherapie war eine weitere (letzte) Möglichkeit, Peter ein leichtes Schlafmittel zu verschreiben.

Ich tat mich schwer damit und versuchte es zuerst mit Schlaf und Beruhigungstee. 😊

Als das auch nicht half, klärte unsere Ärztin zuerst noch einiges ab, um alles andere auszuschliessen.

Hatte Peter vielleicht zusätzlich eine Depression? Das kommt bei Demenzpatienten eben noch häufig vor. Oder litt er an Halluzinationen? Das war nicht ganz auszuschliessen. Oder hatte Peter ganz einfach Schmerzen und die liessen ihn nicht schlafen?

Natürlich nahm Peter am Abend keinen Kaffee mehr und Alkohol trank Peter zu der Zeit schon lange nicht mehr. Das könnte ein weiterer Faktor sein, um nicht entspannt und gut zu schlafen.

Schlussendlich wurde Peter von der Ärztin ein leichtes Schlafmittel verschrieben.

Ich weiss, Schlafmittel sind keine ideale Lösung, schon allein deshalb nicht, weil Betagte und Menschen mit Demenz unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Am nächsten Tag verursachen sie oft eine Benommenheit oder Schläfrigkeit. Schläfrigkeit am Tag kann Schlafstörungen verstärken und erhöht wiederum die Sturzgefahr, unter der Peter ja sowieso litt.

Aber oh Wunder! Plötzlich kam vieles wieder ins Lot, Peter schlief viel besser, stand kaum noch auf und irrte nicht mehr umher. Auch mein Befinden besserte sich von Tag zu Tag.

Es war damals genau die richtige Lösung und mit der richtigen Dosierung passte es zu dem Zeitpunkt perfekt, um unser Problem zu lösen.

Heute nimmt Peter schon lange keine Schlafmittel mehr, im Verlauf seiner Krankheit kamen andere Sachen dazu, aber das Schlafproblem war Geschichte.

Ein Kommentar zu “Unruhe in der Nacht

  1. MASSNAMEN
    Liebe Regina,
    für den LAIEN, kaum vorstellbar, was du alles unternimmst und organisierst um Peter’s „Leben“ und dir dein Leben zu erleichtern. Chăpeau.
    Weiterhin viel Kraft und Ausdauer wünsch ich dir.
    ♥️-lich Manni

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