Abschied von Italien

Es ist Sommer im Jahr 2017 und wir haben vor, noch einmal nach Italien zu fahren. Seit unsere Söhne klein waren gehört der Urlaub im Gargano zu unseren Fixpunkten. Siehe auch https://blickwinkeldemenz.com/2020/02/10/der-anfang-der-anfang/.

Alles verstauten wir im Auto, viel Gepäck wie immer, und es blieb nur noch der Platz zum Sitzen frei. Eine Freundin begleitete uns, ich traute mir die Ferien mit Peter alleine nicht mehr zu. Zwischenhalt zum Schlafen gab’s bereits im Tessin, wo unser Wohnwagen steht.

Am anderen Morgen schon um 6.00 Uhr, fuhren wir Richtung Grenze, nahmen die Autobahn, an Mailand und Bologna vorbei, und dann der Adria Küste entlang zum Gargano. Der Gargano ist der Sporen von Italien. Wir wechselten uns ab mit Fahren und machen alle zwei Stunden eine Pause. Peter war ruhig, er fährt gerne Auto und da wir so häufig Pause machten, konnte er sich ebenfalls die Beine vertreten und den Waschraum aufsuchen.

Angekommen

Angekommen, schon ziemlich müde, begannen wir mit dem Aufbau des Zeltes. Der Zeltplatz ist herrlich gelegen, etwas erhöht, blickten wir direkt auf den Strand und aufs Meer. Peter war uns keine grosse Hilfe und ich glaube, er fühlte sich fehl am Platz und überflüssig. Beim Essen, unserer ersten Pizza, dazu Salat und einem Glas kühlen Wein, war die Welt für alle wieder in Ordnung.

Wo bin ich?

In der ersten Nacht schlief Peter gut, er war wahrscheinlich ebenso geschafft von der Reise, wie wir. Am Morgen war er dann völlig orientierungslos, er wusste nicht wo er sich befand. Ich zeigte ihm den Waschraum, die Toiletten, den Duschraum, aber erst ganz am Schluss der Ferien fand er unseren Platz, wo das Zelt stand, jeweils wieder. Das bedeutete für mich, ihn während den ganzen Ferien stets zu begleiten und ihn nicht aus den Augen zu lassen. Was mir fast immer gelang.

In der zweiten Nacht wachte ich auf, Peter war völlig aufgelöst, schrie, verhedderte sich im Schlafsack, wollte durch die Zeltwand ins Freie. Er war ausser sich und wusste nicht mehr wo er war. Ich stand mit ihm auf, ging vors Zelt und beruhigte ihn. Dies gelang mir nach einiger Zeit auch. Ich war total erschrocken, Peter machte mir Angst, ich fühlte mich überfordert, genauso wie Peter sich wohl selber auch fühlte. Am nächsten Morgen war alles vergessen und Peter erinnerte sich nicht mehr… Ich war völlig erledigt und am Liebsten, wäre ich wieder nach Hause gefahren. Das ging aber natürlich nicht, waren wir doch erst angekommen. Ich hoffte einfach, dass es nicht nochmals passiert.

Nach und nach fand Peter sich besser zurecht, ich hatte immer das Gefühl, sein Körper war wohl hier bei uns, aber sein Geist war irgendwie noch unterwegs und noch nicht hier angekommen.

Unsere Tage verbrachten wir mit Baden, am Strand spazieren, die Sonne und den heissen Sand geniessen mit einigen Ausflügen und natürlich gutem Essen. Peter schaffte es, sich jeden Abend eine Pizza zu bestellen, aber wenigstens wechselte er mit den Sorten ab😊 Ferien am Meer waren für uns einfach immer Erholung pur und wir tankten viel Sonne für die kalte Jahreszeit.

Ausflüge

In der Gegend wo unseren Zeltplatz liegt, ist die Landschaft sehr schön, nicht weit und man gelangt in den Foresta Umbra. Einem uralten Wald mit alten, niederen Buchen, mit kleinen Seen, das Ganze ein schönes Naturschutzgebiet. Unzählige Grotten gibt es direkt am Meer. In den Karst-Felsen hat das Wasser leichtes Spiel und formt wunderbare Gebilde und Höhlen. Die erkundeten wir mit dem Boot.

Freunde

Eine ganz besonders grosse Freude, waren unsere Freunde, die wir in all den Jahren kennengelernt hatten und die wir jedes Jahr wieder trafen. Margit und Viktor aus Deutschland, schon ein paar Mal haben wir uns auch sonst gegenseitig besucht. Antonella und Alfonso mit ihren nun erwachsenen Kindern. Sie leben in Peschici und Alfonso betreibt am Strand, im Sommer, eine kleine Surfschule. Antonella ist in der Schweiz aufgewachsen und spricht perfekt deutsch. Cristina und Elia, beide leben in Peschici, Cristina ist eine der Lehrerinnen der Grundschule. Die Verständigung erfolgt teils in englisch, teils in italienisch. Wie schön, alle zu treffen, zusammen zu Essen und zu erzählen was es Neues gibt. Es gäbe noch viele liebe Bekannte zu erwähnen, die wir immer wieder trafen….

Peter freute sich ebenfalls, waren es doch alles bekannte Gesichter. Unsere Freunde waren besorgt, auch erstaunt, wie Peter von Jahr zu Jahr weniger sagte und weniger am Geschehen teilnahm. Alle sprachen mir Mut zu, aber es zeichnete sich langsam ab, dass dies die letzten Ferien waren, wo Peter im Gargano verbrachte. Das Mitgefühl für Peter war gross.

Wo ist peter?

Peter hatte immer gerne gebadet, schwamm im Meer und hatte nach Muscheln getaucht. Er klettere auch gerne auf die Felsen, die die kleine Bucht umrahmten, oder ging zum alten Turm. Das war ohne Begleitung nun nicht mehr möglich. An einem Nachmittag, wir lagen am Strand, ging Peter ans Wasser, ich las noch kurz eine Seite meines Buches, ging danach auch ans Wasser, aber von Peter keine Spur. Im Wasser war er nicht (es ist nicht gefährlich und flach), also war er wohl am Strand spazieren gegangen. Die Frage war nur auf welche Seite? Wir suchten zuerst auf einer Seite, dann auf der anderen Seite, überall sahen wir rote Badehosen, aber in keinen steckte Peter.

Schlussendlich ging ich leicht beunruhigt zu unserem Zelt und siehe da, da sass Peter bereits friedlich unter dem Sonnensegel. Es war manchmal sehr erstaunlich, nie fand er zurück zum Zelt, ausser an diesem Nachmittag.

Die Ferien gingen langsam zu Ende. Bei mir machte sich Wehmut breit. Wann würde ich wieder nach Peschici fahren? Mit Peter würde es nicht mehr möglich sein, der Weg war einfach zu weit und die Umstellung und die Eindrücke nicht mehr zu bewältigen.

Die Heimfahrt verlief gut, Zwischenstopp, wieder im Tessin, danach nach Hause. Die Ferien waren schön, aber für mich persönlich nicht restlos erholsam. Immer ein Auge auf Peter zu haben, mehrmals in der Nacht aufstehen, sich um ihn zu kümmern, war zeitweise recht anstrengend.

Aber das Gute und Schöne überwiegt immer, Peter hat es gutgetan, er war erholt, er sah noch einmal das Meer, hörte die Wellen, spürte den Sand. Wir haben viele schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen.

Wir alle fühlen uns sehr verbunden mit den Menschen und der schönen Landschaft in Italien.

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