Demenzformen

Demenz ist der Oberbegriff für rund 50 verschiedenen Erkrankungen des menschlichen Gehirns. Die vier bekanntesten sind, die Alzheimer Demenz, die vaskuläre Demenz, die frontotemporale Demenz und die Levy -Body, oder Levy- Körperchen Demenz.

Ausführlich befasst habe ich mich nur mit der Vaskulären- und der Alzheimer Demenz, da Peter ja eine Mischform der beiden hat. Von der Häufigkeit ist es so, dass an Alzheimer rund 65% der Betroffenen erkrankt sind, bei der Vaskulären, sind es 15%, bei der Mischform ebenfalls 15%. Die restlichen 5% sind Frontotemporale- und Levy-Body Demenz.

Die Definition der Alzheimer- Demenz

Alzheimer ist eine unheilbare, immer fortschreitende Gehirnerkrankung. Die Kennzeichen von Alzheimer sind eine stetige Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit und Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Veränderung geht weit über den normalen Rahmen einer «normalen» Alterung hinaus. Der Name Alzheimer kommt von Alois Alzheimer, der bereits 1906 eine Erkrankung der Hirnrinde feststellte.

Die Alzheimer-Ursachen sind nur teilweise bekannt. Was sicher ist, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Eiweissablagerungen sind der Grund, dass es zum Absterben von Nervenzellen kommt. Bei Alzheimer sind vor allem Nervenzellen in der Hirnrinde, aber auch in tiefer liegenden Hirnbereichen betroffen. Acetylcholin ist ein Botenstoff der im Gehirn hergestellt wird. Es sind bei Alzheimer genau diese Nervenzellen betroffen, die absterben. Acetylcholin ist der Stoff, der Erinnerungen, Denk- und Lernvorgänge, aber auch die Orientierung durch unser Gehirn transportiert.

Die Definition der Vaskulären-Demenz

Der Begriff „vaskulär“ bedeutet so viel wie „die Blutgefäße betreffend“. Daher sind „vaskuläre Demenzen“ der Überbegriff für alle Demenzformen, die durch Störungen der Blutversorgung im Gehirn verursacht werden. Aus unterschiedlichen Gründen wie Ablagerungen, Verengungen oder Verstopfungen können die Blutgefäße ihrem Auftrag, Blut zu transportieren, nicht mehr ausreichend nachkommen. Nervenzellen werden beschädigt oder sterben sogar ab. Ein Bluthochdruck ist häufig die Ursache, wobei auch Übergewicht oder Rauchen eine vaskuläre Demenz begünstigen können.

Die ersten Symptome bei Peter sahen so aus:

Vergesslichkeit, vor allem kurz zurückliegende Ereignisse sind wie weggewischt.
Schwierigkeiten bei der Planung, da war bei Peter das logische Denken betroffen. Bei gewohnten Tätigkeiten zu Hause, oder in der Freizeit, komplexe handwerkliche Tätigkeiten wurden zunehmend schwieriger.
Probleme bei der zeitlichen und örtlichen Orientierung, Peter fand im Geschäft manchmal die Adresse nicht mehr, wo er eine Arbeit ausführen sollte.
Die räumliche Wahrnehmung war gestört, beim Autofahren hatte Peter Mühe die Distanz zu wahren.
Rückzug aus dem sozialen Leben, er zog sich zurück, wollte zum Beispiel nicht mehr im Chor mitsingen. Er fühlte sich überfordert.
Veränderung der Stimmung und der Persönlichkeit, Peter wurde verschlossener, in sich gekehrt und wirkte oft frustriert.

Es gibt sicher noch mehr Symptome, aber diese hier sind mir am Anfang und während des Verlaufs besonders aufgefallen.

Wie ist der Verlauf bei Peter?

Das Anfangsstadium, leichte Demenz

Auch wenn das erste Stadium als „leicht“ bezeichnet wird, ist es häufig für alle Beteiligten das schwerste Stadium. Wir mussten auf einmal alle akzeptieren, dass sich eine Krankheit eingestellt hat, vor der es kein Entrinnen gibt. Alzheimer wird bleiben und immer schlimmer werden. Die Störungen im leichten Stadium von Alzheimer sind noch nicht sehr ausgeprägt. Das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, Gespräche zu verfolgen fällt schwer. Ab und zu werden Dinge verlegt und Informationen werden nicht behalten. Das verwirrte nicht nur Peter, sondern uns alle.

Fortschreitende Demenz, mittelschwer

Im mittelschweren Stadium verstärkten sich die Symptome sehr, Peter kann auf keinen Fall mehr alleine leben. Nach und nach stellte ich fest, dass Peter sich nicht mehr anziehen, nicht mehr duschen konnte und zum Teil nicht mehr nach Hause fand. Seine Kommunikation beschränkte sich auf wenige Worte. Er nahm immer weniger am Geschehen teil, Fernsehen und Lesen waren nicht mehr möglich. Es stellte sich ebenfalls eine zunehmende Unruhe ein und häufig war das Verhalten von Peter aggressiv. Dazu hatte er Halluzinationen, sah in der Wohnung, oder im Freien, Personen die nicht da waren.

Besonders schwierig war es für mich, wenn ich das Gefühl hatte Peter erkennt mich nicht und weiss meinen Namen nicht mehr. Ebenso erging es unseren Söhnen, sie waren traurig, wenn Peter sie nicht mehr wahr nahm und sie nicht erkannte.

Fortgeschrittene Demenz, schwer

Bei diesem Stadium der Demenz vom Alzheimer Typ ist der Betroffene dann vollständig hilflos. Er kann allein weder essen noch trinken, leidet häufig unter Schluckstörungen und in Folge dessen häufig auch an einer Mangelernährung. Er kann nicht mehr sprechen, Schmerzen nicht mehr verbal äußern, keine Wünsche mehr konkret nennen. Selbstständiges Gehen ist nicht mehr möglich, deshalb sind viele Betroffene im Endstadium einer Demenz bettlägerig. Soweit ist Peter zum Glück noch nicht ganz. Ist die vaskuläre Demenz fortgeschritten unterscheiden sich die Stadien zu Alzheimer nicht mehr gross voneinander.

Was sind die Risikofaktoren bei Alzheimer?

Wenn auch die Ursache von Alzheimer nicht wirklich geklärt ist, so gibt es laut den Ärzten durchaus einige Risikofaktoren, die Peter aber im Grossen und Ganzen nicht hatte. Natürlich überlegte ich mir, warum und wieso es ausgerechnet Peter treffen musste. Hier die Faktoren:

Übergewicht, Bluthochdruck, zu hoher Cholesterinspiegel, zu hohe Blutzuckerwerte. Peter hatte minim zu hohe Cholesterinwerte.

Peter hatte kein Diabetes, er hatte keine Kopfverletzung und keine Gehirninfektion.

Sein Alkoholkonsum war nicht übermässig gross. Auch Stress könnte der Auslöser für Alzheimer darstellen. Frauen sind häufiger von Alzheimer betroffen als Männer.

Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen sind:

Bluthochdruck und das Rauchen. (Peter hat Pfeife geraucht) Ebenfalls wie bei Alzheimer, Diabetes mellitus und hohe Cholesterinwerte. Zu den Faktoren gehören auch Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen.

All diesen Risikofaktoren ist eines gemeinsam. Sie können zu Schädigungen der Blutgefäße, zu Ablagerungen (Arteriosklerose), zu schlechter Durchblutung und zu Schlaganfällen führen.

Wie wird eine Alzheimer-Erkrankung behandelt?

Eine wirksame Alzheimer-Therapie oder heilende Alzheimer-Medikamente gibt es leider noch nicht. Aber es gibt Medikamente, die bei Alzheimer eingesetzt werden und die auf zwei Symptome der Alzheimer-Demenz wirken:

Antidementiva

Sie sollen den kognitiven Verfall hemmen und werden je nach Stadium eingesetzt. Leider bewirken sie auch unschöne Nebenwirkungen wie, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Appetitlosigkeit

Antipsychotika

Die zweite Medikamentengruppe, die auf die Psyche und auf Verhaltenssymptome wirkt, wird unter dem Namen Antipsychotika zusammengefasst. Die Behandlung mit Antipsychotika wurde bei Peter nur kurzzeitig in geringstmöglicher Dosis und unter enger ärztlicher Kontrolle durchgeführt.

Gingko biloba

Es gibt Hinweise für die Wirksamkeit von Ginkgo biloba bei Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz.

Ob diese Antidementiva Medikamente wirklich nützen kann ich nicht beantworten. Ich habe den Vergleich nicht, wie es wäre, wenn Peter keine Medikamente verabreicht bekommen hätte. Die Antipsychotika hatten eine gute Wirkung, dadurch war Peter kaum noch aggressiv.

Weitere begleitende Therapien zielen mehr auf die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten. Erwähnen möchte ich Ergotherapie, Gedächtnistraining, oder Musiktherapie. Peter hat, oder besser wollte, von diesen Angeboten keines für sich nutzen.

Wie wird eine vaskuläre Demenz behandelt?

Schädigungen im Gehirn können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Folgende Massnahmen helfen jedoch, den weiteren Verlauf der Krankheit hinauszuzögern:

Behandlung von Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten und Diabetes

Behandlung einer allfälligen Herzerkrankung

Änderung des Lebensstils: Verzicht aufs Rauchen, regelmässige körperliche und geistige Aktivität, eine ausgewogenere Ernährung

Medikamente können helfen, die Gedächtnisleistung zu stabilisieren oder Begleiterscheinungen wie eine Depression zu mindern.

Vorbeugen

Gibt es eine Demenz-Prävention? Ist Demenz nicht einfach Schicksal? Laut vielen Medienberichten, wird es oft so dargestellt, dass die Betroffenen «selber schuld seien» an ihrer Erkrankung. Dies regt mich oft auf und wird den Tatsachen nicht ganz gerecht!  Natürlich stimmt es, was für das Herz gut ist, hilft auch dem Gehirn. Ein aktiver Lebensstil, wenig Alkohol und Tabak, gute Beziehungen, kein Stress und eine ausgewogene Ernährung, sind für alle Krankheiten ein guter Ratgeber

Eines ist sicher, Demenz ist zwar eine ernsthafte, schwere und sehr herausfordernde Erkrankung, aber die Betroffenen sind Menschen wie die Gesunden auch. Sie sind nicht ihre Krankheit, sondern sie haben eine Erkrankung – und deshalb haben sie auch ein Recht darauf, sich möglichst frei zu bewegen, sich Wünsche zu erfüllen und so selbstständig wie möglich zu leben. Sie haben aber auch ein Recht auf Unterstützung und das Wichtigste sie haben ein Recht auf unsere allumfassende Liebe!

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