Neue Herausforderung 2016

Der Herbst ging langsam in den Winter über und der erste Frost war bereits da. Wir hatten im Tessin bereits eingewintert und freuten uns auf den Schnee.

Peter ging es nicht sonderlich gut. Er war müde und fühlte sich irgendwie nicht fit. Am Morgen hatte er immer grössere Schwierigkeiten aufzustehen. Er war ungelenkig und schlussendlich konnte er sich nicht mehr bücken, oder sich gar selber anziehen. Schmerzen schien er auch zu haben, er konnte sie aber nicht richtig definieren.

Ich war irritiert, sollte jetzt die Demenz plötzlich so viel schlimmer werden? So schlimm, dass Peter nicht mehr aufstehen konnte und nicht mehr wusste wie er seine Kleider anziehen sollte?

Wieder einmal war ein Gang zu unserer Hausärztin unvermeidlich. Peter wurde untersucht, ihm wurde Blut abgenommen und das Resultat liess nicht lange auf sich warten. Er hatte eine Rheuma Erkrankung die ihn sehr fest plagte. Musste das jetzt auch noch sein? Hatte Peter nicht schon genug zu «tragen»?

Polymyalgia rheumatica

Bis jetzt hatte in unseren Familien niemand mit Rheuma zu kämpfen, deshalb nahm ich das Internet zu Hilfe, um mehr über die Krankheit zu erfahren.

Die Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, bei der es zu reissenden Muskelschmerzen kommt, vor allem im Schultergürtel, im Nacken, in den Oberarmen, im Beckengürtel und in den Oberschenkeln.

Typischerweise treten diese Schmerzen bei der Polymyalgia rheumatica beidseitig auf und sind nachts beziehungsweise morgens am Stärksten. Die betroffenen Muskeln sind vor allem am Morgen steif und unbeweglich.

Meistens tritt die Polymyalgia rheumatica nach dem 65. Lebensjahr auf. Frauen sind deutlich mehr betroffen, als Männer. Peter war auch da schon wieder eine Ausnahme. ☹

Die entzündlich-rheumatische Krankheit ist eine Autoimmunerkrankung, was bedeutet: Das Immunsystem der Betroffenen ist fehlgesteuert und richtet sich gegen den Körper selbst.

Eine mögliche Ursache für ihre Entstehung könnte sein, dass die im Blut zirkulierenden Zellen des Immunsystems bei Menschen höheren Alters dazu neigen, ausser Kontrolle zu geraten – also unkontrolliert Botenstoffe zu bilden und so eine Entzündung zu verursachen, die den gesamten Körper betrifft.

Laboruntersuchung

Liegt eine Polymyalgia rheumatica vor, finden sich bei einer Blutuntersuchung fast immer die typischen Anzeichen einer schweren Entzündung. Vor allem die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist bei der entzündlich-rheumatischen Erkrankung stark erhöht.

Therapie

Bei Peters Therapie kamen Cortisonpräparate zum Einsatz, die seine Beschwerden schnell linderten. Schon ein paar Tage, nach Beginn der Behandlung besserte sich die Polymyalgie-Symptome durch das Cortison deutlich. Zu Beginn der Therapie erhielt Peter das Cortison in höherer Dosierung; im weiteren Verlauf der Behandlung setzte die Ärztin die Dosis langsam über Wochen und Monate herab. Wie lange die Cortisonbehandlung dauern würde war nicht vorhersehbar. Insgesamt war mit einer Behandlungsdauer von mindestens einem Jahr zu rechnen. Es sollte schlussendlich viel länger dauern…

Cortison Fluch oder Segen?

Früher wurde Cortison viel zu hoch dosiert eingesetzt das löste dann starke Nebenwirkungen aus. Glucocorticoide zählen zu den wirksamsten Entzündungshemmer, die die Medizin kennt. 1935 wurden sie von US-Forschern in der menschlichen Nebennierenrinde entdeckt, 15 Jahre später gab es dafür den Medizinnobelpreis. Ärzte setzen künstlich hergestellte Glucocorticoide gegen Entzündungen und überschießende Immunreaktionen ein.

So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich

Leider verändern Glucocorticoide nicht nur Entzündungsprozesse, sondern greifen zum Beispiel auch in den Stoffwechsel ein, daher gibt es manchmal Nebenwirkungen.

Neben Osteoporose können Patienten, die über einen längeren Zeitraum Glucocorticoide nehmen müssen, einen Diabetes mellitus entwickeln. Andere bekommen Probleme mit den Augen – zum Beispiel einen grauen oder grünen Star. Weil das Immunsystem heruntergeregelt wird, sind die Patienten zudem Infekt anfälliger. Auch das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen ist erhöht. Das war bei Peter nicht der Fall, aber eine Nebenwirkung, die eigentlich nicht gefährlich ist, war klar zu erkennen, nämlich das sogenannten Cushing-Syndrom. Peter nahm vor allem in der Körpermitte zu und bekam unter anderem ein Vollmondgesicht und einen sehr ausgeprägten Nacken.

Peter musste auf eine kalziumhaltige Ernährung achten, musste sich weiterhin viel bewegen und ein Kalziumpräparat hatte er ja bereits früher verschrieben bekommen. Auch das Rauchen war kein Vorteil, aber seien wir ehrlich, dieses Vergnügen für ihn, am Abend eine Tabakpfeife zu rauchen wollte ihm niemand nehmen.

Für Peter war das Einnehmen von Cortison das einzig Richtige. Er fühlte sich relativ schnell wieder «gesund» und konnte seinen Tätigkeiten ohne Einschränkungen wieder nachgehen. Selber aus dem Bett steigen, sich anziehen und den Tag beginnen war wieder möglich. Ich war sehr erleichtert musste ich ihn in der Beziehung nicht mehr unterstützen.

Ich hatte aber einen «Vorgeschmack» erhalten, wie belastend es sein würde, wenn Peter dann einmal, wegen seiner Demenz, nicht mehr aufstehen, sich selber anziehen und seine täglichen Verrichtungen erledigen kann.  Ich würde noch sehr viel lernen müssen. Aber das war noch nicht soweit und das Motto: kommt Zeit kommt Rat, oder nimm einen Tag um den Andern, oder was kommt das kommt, halfen mir schon damals unsere Tage zu bewältigen!

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