Inkontinenz das Tabuthema

Darüber wird wenig gesprochen aber da es für uns, insbesondere für mich, ein schwieriges und einschneidendes Thema war, werde ich darüber berichten.

Ich sah mit Sorge dem Tag entgegen, wo Peter seine Blase und noch schlimmer, seinen Stuhlgang nicht mehr kontrollieren konnte. Die Toilette nicht mehr zu finden und Inkontinenz ist für alle Beteiligten ein unangenehmes Problem, weil es einen sehr intimen Bereich betrifft, über den man nicht gerne spricht. Er ist oft mit Scham verbunden und es ist ein Bereich bei dem man nicht gerne auf Hilfe angewiesen ist. Ich wusste immer, dass dieses «Problem» früher oder später auch bei Peter eintreffen würde.

Es fing ja damit an, dass Peter die Toilette nicht mehr fand und sich irgendwo erleichterte. Das waren kleine Missgeschicke, die schnell zu beheben waren. Unangenehm war es, wenn das an seinem Tagesplatz passierte. Ich versuchte konsequent mit ihm die Toilette aufzusuchen, um vorzubeugen, damit wir dem «Unglück» aus dem Weg gehen konnten. Schwieriger wurde es, wenn wir im Auto sassen, wann immer ich mit ihm unterwegs war. Oft sagte er mir »Ich muss dringend auf die Toilette» dann war es nötig, dass ich Nullkomma plötzlich anhielt. Später dann geschah es, dass er nichts sagte und der Autositz nass war. Den Autositz zu reinigen war dann schon etwas aufwändiger ☹

Definition: Was ist Inkontinenz?

Unter ‚Inkontinenz‘ versteht man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, Harn oder Stuhl zu halten und kontrolliert abzugeben.

Laut Experten beinhaltet das auch die Fähigkeit, Bedürfnisse zu kommunizieren, um Hilfestellungen zu erhalten, wenn Einschränkungen beim selbstständigen Toilettengang vorliegen.

Für Harninkontinenz hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch auch der Begriff „Blasenschwäche“ oder „schwache Blase“ etabliert. Harninkontinenz kann in allen Altersstufen auftreten – auch in jungen Jahren –, nimmt jedoch im Alter stark zu. In den meisten Fällen ist die Inkontinenz selbst keine Erkrankung, sondern ein Symptom einer Erkrankung der Harnorgane, der Nerven, oder wie bei Peter des Gehirns.

Wie war das für Peter? Er sträubte sich am Anfang, fand es völlig übertrieben und war deswegen schlecht gelaunt. Oh, ich konnte ihn gut verstehen, es war ein weiterer Schritt in eine totale Abhängigkeit, zudem war es ihm unangenehm und er schämte sich. Wenn ich mich in seine Lage versetzte sah ich welche Einschränkungen er auf sich nehmen musste. Als erstes konnte er nicht mehr selber auf die Toilette. Das war sehr unangenehm und entwürdigend für ihn, immer war jemand dabei und musste ihm helfen. Hosen öffnen, runterziehen und ihn auf die Toilette setzen, war der nächste Schritt. Ein weiterer Schritt war, es musste ihm beim Saubermachen geholfen werden. Kein Wunder wehrte er sich. Zu guter Letzt dann musste ihm geholfen werden beim Anziehen oder einlegen der Pants oder der Einlagen.

Zuerst hiess es geeignete Produkte zu finden, um Peter bestmöglich zu helfen. Ich probierte verschiedene Einlagen und Pants aus. Schaute, wie die Grösse sein musste, wie der Tragkomfort war und natürlich die Saugkraft. Es kam mir sehr entgegen, dass ich in der Apotheke Muster erhielt, die wir dann ausprobieren konnten.

Welche Inkontinenzprodukte gibt es?

Bei Inkontinenz /Blasenschwäche bieten sich folgende Hilfsmittel an:

  • Aufsaugende Hilfsmittel (Einlagen, Vorlagen, Windeln für Erwachsene etc.)
  • Ableitende Hilfsmittel (Katheter, Urinale etc.) auf die gehe ich hier nicht ein

Zu den am Häufigsten verwendeten Hilfsmitteln, gehören die aufsaugenden Produkte. Ob man sich für Einlagen, Vorlagen oder Pants entscheidet, hängt von der Inkontinenzform, der Mobilität, der Hautfreundlichkeit und auch der Handhabung ab.

Es gibt einteilige Systeme wie Windelslips, welche ohne eine zusätzliche Fixierung auskommen, oder Pants, welche wie eine Unterhose angezogen werden. Mehrteilige Systeme bestehen meist aus einer Einlage, bzw. Vorlage, und einer Fixierhose. Auch hier stehen verschiedene Saugstärken zur Verfügung, je nach erforderlichem Schweregrad der Inkontinenz.

Wir entschieden uns vorerst für Pants, die waren praktisch, sahen aus wie ein Höschen, verrutschten nicht und trugen nicht auf. Zuerst zogen wir die Pants an, wenn er im Tagesplatz war, oder wir sonst irgendwie unterwegs waren. Nach und nach wurde es auch nötig, dass in der Nacht Pants angezogen werden mussten.

Inkontinenz und Hygiene

Was nicht zu vergessen war, war die Hygiene. Sauberkeit ist ein wichtiger Bereich bei der Pflege einer inkontinenten Person. Auch ist es ein Bereich, in dem wir wirklich viel für das Wohlbefinden von Peter tun konnten. Die Haut von uns Menschen ist empfindlich. Inkontinenz kann schwere Irritationen auslösen. Die Haut ist unter Umständen nicht in der Lage, eine Schutzbarriere zu bilden. Wenn sich offene Stellen auf der Haut gebildet haben, können Bakterien eindringen und unangenehme Ausschläge verursachen.

Die Reinigung erfolgt mit einer milden Wasch-Lotion, anstelle einer Seife. Wichtig ist immer gut abtrocknen. Eine Creme zum Schutz der Haut wird danach aufgetragen.

Einwegtrockentücher können das Infektionsrisiko minimieren, das gelegentlich von normalen Handtüchern ausgeht.

Einwegfeuchttücher sind sehr komfortabel, da sie eine schnelle, einfache Möglichkeit bieten, sich zu erfrischen – sei es zwischen den einzelnen Duschgängen oder während die Inkontinenzprodukte gewechselt werden.

Übrigens vermeide ich das Wort Windel! Schutzhose, Pants und Einlagen klingen charmanter und helfen Peter sich mit den Hilfsmitteln besser anzufreunden.

Nach und nach hatte ich mich mit dem Wechsel der Pants, der Kleider, und des doch häufigen Austauschs der Bettwäsche, arrangiert. Mögen die Produkte noch so gut sein, undichte Stellen, totale Auslastung, nicht sorgfältige Handhabe, passieren immer wieder und Kleider und Bettwäsche werden nass. Natürlich habe ich eine Schutzmatratze und einen wasserdichten Molton auf der Matratze. Und zusätzlich, über dem Leintuch, noch einmal einen Molton auf dem Peter liegt.

Die Pants und Einlagen werden bis zu einem gewissen Grad von der Krankenkasse bezahlt. Es ist eine teure Angelegenheit. Als mein Kontingent bereits im April aufgebraucht war, holte ich von der Hausärztin ein Jahresrezept für schwere Inkontinenz. (das bedeutet Peter benutzt jetzt die Toilette gar nicht mehr.)

Heute habe ich absolut keine Hemmungen mehr, die Pflege des Intimbereichs gehört zu meinen täglichen Aufgaben. Es ekelt mich schon lange nicht mehr, es ist einfach eine Arbeit die bewältigt werden muss. Auch hier wächst man oft über sich hinaus und macht Dinge, die früher nicht vorstellbar gewesen wären…

2 Kommentare zu „Inkontinenz das Tabuthema

  1. Inkontinenz – Blasenschwäche
    Liebe Regina.
    Waaas du noch alles – mit Peter – erleben musst?
    Es ist im „normalen Leben“ – wenn es ein Solches gibt – nicht vorstellbar, was du als Krankenpflege- Fachfrau an der Seite von Peter an Leistungen vollbringst, unglaublich. Châpeau!
    Mit jedem neuen Blog bewundere ich dich aufs Neue.
    Ich wünsche Dir und deinen Familien weiterhin viel Kraft und Geduld.
    Bin in Gedanken immer mit euch.
    In freundschaftlicher Verbundenheit, Manni

    1. Lieber Manni
      Herzlichen Dank für deinen Eintrag! Es freut mich sehr, dass du den Blog so rege verfolgst. Wir spüren deine guten Gedanken und deine Verbundenheit mit uns! Danke!
      Ich hoffe dich sehr bald wieder einmal zu sehen und verbleibe mit lieben Grüssen

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