Freie Wochenenden

Für mich waren Wochenenden im Tessin immer sehr erholsam. Ich fühle mich, kaum sah ich die ersten Palmen, wie in den Ferien. Meistens ist es wärmer als hier bei uns und oft scheint die Sonne. Die italienische Lebensart hat es uns schon immer angetan.

Oft waren wir ja nur übers Wochenende im Tessin, genossen die freie Zeit fernab vom Alltag. Es war immer sehr praktisch, alles was wir brauchten war im Wohnwagen. Kleider, Fahrräder, Bettwäsche und so weiter….

Da Peter sich im Tessin nicht mehr gut zurechtfand, hatte ich schweren Herzens beschlossen, ihn nicht mehr mitzunehmen.

Traurig überlegte ich mir, ob es nicht möglich wäre, eine Assistenzperson zu engagieren, die auch einmal über Nacht bei Peter bleiben würde. Dies würde mir die Gelegenheit geben ruhig und ohne, dass ich mir Sorgen machen musste, ins Tessin zu fahren.

Natürlich, für längere Ferien hatte ich das Oberi Bäch. Diese Institution eignete sich hervorragend für längere Aufenthalte, für eine oder sogar zwei Wochen war es perfekt und Peter war sehr gut aufgehoben. Aber nur für ein kurzes Wochenende war es mir zu weit und zu umständlich.

Wo suche ich?

Nun stellte sich die Frage wo wir eine geeignete Assistenzperson finden würden. Es musste jemand sein, der sich mit der Krankheit Demenz schon ein wenig auskannte. Jemand der keine Berührungsängste hatte. Peter musste Hilfe beim Duschen erhalten, die Kleider mussten bereitgelegt werden und oft musste ihm auch beim Anziehen Hilfestellung geben werden. Die Person musste kochen können, geduldig sein, mit Peter spazieren gehen, oder ihn im Auto mitnehmen, um einen Ausflug zu machen. Sehr viele Fähigkeiten mussten da vereint sein, um Peter gerecht zu werden.

Nicht zu vergessen die beiden müssten sich gut verstehen und Peter müsste die Person akzeptieren. Auch ich machte mir meine Gedanken. Plötzlich würde jemand in unserer Wohnung sein, meine Schränke öffnen, Einblick in meinen Haushalt und unser Leben haben. Das brauchte auch meinerseits Überwindung und ich hatte zuerst sehr Mühe damit.

In meinem Umfeld fiel mir so spontan niemand ein, der uns unterstützen könnte. Darum sah ich mich nach Alternativen um.

Assistenzbüro

Ich glaube, bei einem Gespräch mit der Pro Infirmis wurde ich auf die Seite des Assistenzbüros aufmerksam gemacht. http://www.assistenzbuero.ch. Dort so hiess es, gäbe es Informationen und auch eine Stellenbörse wäre aufgeschaltet. Ich wurde fündig und machte mich mit der Seite vertraut.

Der Verein Assistenzbüro ABü bezweckt für Menschen mit einer Behinderung die Förderung und Weiterentwicklung eines Lebens mit persönlicher Assistenz.

 Hier ein Auszug der Angebote:

  • Wir beraten in erster Linie TeilnehmerInnen, die beim Pilotprojekt Assistenzbudget Kanton Bern (ABBE), beim Berner Modell sowie beim Assistenzbudget Kanton Thurgau (ABTG) mitmachen.
  • Wir beraten auch TeilnehmerInnen, die einen Assistenzbeitrag der IV in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen beziehen.
  • Wir unterhalten auf unserer Website einen Ratgeber mit vielen nützlichen Links und Downloads für Menschen, die mit einem Assistenzmodell abrechnen.
  • Assistenzsuchende und Assistenzteilnehmende können auf unserer Inserate-Seite für zwei Monate kostenlos eine Anzeige erfassen.

Inserate

So sahen die Inserate aus und etwa alle fünf oder sechs Tage wurden laufend neue Anzeigen aufgeschaltet. Ich überlegte mir zuerst, ob ich ein Inserat aufgeben sollte, oder ob ich mich direkt bei jemandem der seine Hilfe anbot, meldete.

DatumTitel
11.02.2021Ferien-Assistenz
11.02.2021Biete Assistenz
11.02.2021Erfahrener persönlicher Assistent
04.02.2021Pflegehelferin SRK
04.02.2021Betreuung/Begleitung für 16 Jährigen Junge mit ASS
04.02.2021Administration und Steuererklärungen
04.02.2021Assistenz gesucht
04.02.2021Ich suche eine Stelle als Pflegeassistentin.
04.02.2021Assistentin
04.02.2021Assistenz

Ein Inserat hatte mich besonders angesprochen. Eine jüngere Frau, Mutter von zwei Kindern, gab ein Inserat auf. Sie hatte bereits Erfahrung in der Pflege und hatte die entsprechende Ausbildung gemacht. Zudem hatte sie längere Zeit in einem Altersheim gearbeitet. Sie schrieb auch, dass für sie Nachteinsätze absolut möglich wären und sie das gerne tun würde.

So vereinbarten wir einen Termin und Angela kam und stellte sich vor. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und wir vereinbarten einen Schnuppertag bei uns.

Das klappte ausgezeichnet und wir beschlossen eine Anstellung zu wagen.

Wenn Assistenzpersonen eingestellt werden, muss alles rechtlich gut abgesichert werden und es müssen verschiedenen Kriterien erfüllt sein.

Verwandte aus der eigenen, direkten Familie, dürfen nicht Assistenzperson sein.

Mit dem Assistenzbeitrag werden ausschliesslich Hilfeleistungen finanziert, die von einer mit Arbeitsvertrag angestellten natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden. Wir sind demnach die Arbeitgeberin und die Assistenzperson, die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer.

Die Vertragsparteien regeln die arbeitsrechtlichen Aspekte (Lohnfortzahlung bei Krankheit, Ferienabwesenheit oder längerem Spitalaufenthalt der versicherten Person, Kündigungsfrist) untereinander.

Das Arbeitsverhältnis unterliegt den Bestimmungen des Obligationenrechts über den Arbeitsvertrag. Die Sozialabgaben (AHV, IV, usw.) sind wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis gemäss den rechtlichen Bestimmungen zu entrichten.

Die Assistenzperson gibt uns Ende Monat den Arbeitsrapport ab. Wir bezahlen ihren Lohn und stellen dann unsere Rechnung an die zuständige IV Stelle. Einige Tage später erhalten wir den Lohn der Assistenzperson rückvergütet.

Die Anstellung von Angela war für mich eine riesige Entlastung. Sie gab mir durch ihre Hilfe und ihren Einsatz ein Stück meiner Freiheit zurück. Ich konnte beruhigt ins Tessin fahren, wusste Peter war gut aufgehoben und ich konnte diese Zeit ganz für mich geniessen.

4 Kommentare zu „Freie Wochenenden

  1. Liebe Regina und Peter
    Seit dein Blog, liebe Regina aufgeschaltet ist,verfolge ich dein/euren Lebensinhalt.
    Jeden Sonntagabend kommen mir die Tränen,was ich da lese.Ich versetzte mich total in euer Tagesablauf und ich weiss vollumfänglich was „du“ liebe Regina alles aufopferst für deine liebe zu Peter.Ich habe noch nie in meiner Berufskarriere jemanden kennen gelernt,wo so viel Liebe,Energie,Kraft ,Aufopferung und Mut zu einem Kranken Ehemann abgibt..Seit Frühling 2015 kenne ich euch lieben vom Tessin..Ich habe den Verlauf von Peter in diesen Jahren sehr gut verfolgen können,wie kein anderer im Tessin ,glaube ich .!!.Da ich vor 23jahren ,nachdem unser 3 Sohn Stefan Geboren war selber mit Jürg’s Krankheit am Limit war,weiss ich was das heisst,wenn dein eigener Mann/Papi Krank ist…
    Ich staune immer wieder in deinem Blog,was für Unterstützungen/Hilfe es gibt bei Peters Krankheit…Ich sehe dich schon im Umkreis von Bern in allen Schulen liebe Regina Unterricht über Demenz zugeben..
    Übrigends ,Stefan hat am Sterbebett von Jürg ihm versprochen,dass er sich soweit wie möglich weiterbilden will..da er soviel dazu gelernt hat im Uni Zürich bei seinem Papi als er im Sterben lag..er Schliesst im Sep.in Winterthur das Studium zur HF ab.
    Wieder zu dir :::: Leider haben wir uns dieses we wieder nicht gesehen,ich konnte wie immer nicht nein sagen und sprang das we bei der arbeit ein..Ich freue mich immerwieder dich im Ticino zusehen..vorallem auch nur,,,,,dass ich weiss,dass du mal „etwas“ entlastet bist für eine kurze Zeit…
    Liebe Regina,ich hoffe du hattest ein warmes ,ruhiges und schönes we im Ticino..
    Was ich dir wünsche ist……Kraft…….und …..Energie……..aber auch,dass du dir selber auch schaust BITTE ❤
    Ganz liebe grüsse aus dem Thurgau
    Pia

    1. Liebe Pia
      Danke, danke, danke! Schön deine Worte und deine Wünsche! Genau, ich habe dich vermisst und immer gehofft, dass du den Weg ins Tessin doch noch findest. Aber eben die Arbeit…..Aber ich weiss, wir sehen uns bald:-)
      Ich bin mir bewusst, dass niemand so gut nachvollziehen kann wie du, wie es ist, einen Menschen, der dir so nahe steht zu Pflegen. Ich sehe, dass es ihm gut tut, dass er spürt, dass wir da sind und er getragen wird. Ich sehe je längers wie mehr davon ab, ihn je ins Heim zu geben. Diese Pflege mit all meinen lieben Freunden und Assistenzpersonen können wir ihm daheim auch geben.
      Ich finde es wunderbar, dass einer deiner Söhne in „deine Fussstapfen“ tritt und sich ganz der Pflege verschreibt! Hut ab! Notabene, wir haben tolle Söhne:-)
      Ich lerne sehr viel im SRK Kurs, dieses riesen Gebiet rund um die Pflege und den dazugehörenden Krankheiten. Obwohl, ich kratze nur an der Oberfläche mit meinem bescheidenen Wissen.
      Liebe Pia, immer wenn ich dich sehe bin ich begeistert von deiner empathischen Art, deinem Nachfragen und deinem Verstehen.
      Ich wünsche dir ganz fest, dass du immer die nötige Kraft findest und liebe Menschen die dich tragen und unterstützen!
      Bis bald!

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