Herausforderung Spital

Nach unserer Reise, wir haben nun das Jahr 2016, hat es einige Veränderungen gegeben. Ich habe immer noch gearbeitet, aber wohl war mir dabei nicht mehr. In dieser Beziehung musste bald eine Lösung gefunden werden.

Peter war nach wie vor am Werkeln mit seinem Holz, und auch nach wie vor jeden Tag zu Fuss unterwegs.

Nacht(un)ruhe

Zunehmend kam es in der Nacht vor, dass Peter aufwachte und die Orientierung verlor. Er stand dann auf, ging durch die Wohnung machte Licht und fand sich trotzdem nicht mehr zurecht. Ich wachte natürlich auf und begleitete ihn zuerst auf die Toilette und dann wieder ins Bett. Dies geschah manchmal mehrmals in der Nacht. Mein Schlaf war gestört, ich wurde zunehmend müder und es ging mir an die Substanz. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so fest, auf einen ruhigen, mehrstündigen Schlaf angewiesen bin. Ich wurde gereizter und wusste, ich musste etwas unternehmen. Wie bloss konnte ich Peter wieder zum Schlafen bringen? Wir probierten es mit Tee und pflanzlichen Dragees, aber das alles nützte nichts.

Ich habe mich mit unserer Ärztin abgesprochen und sie verschrieb Peter ein leichtes Schlafmittel. Ich bin ja immer hin und her gerissen. Medikamente ja oder nein, halt nur so viel wie nötig und immer das Augenmass behalten. Die Situation hat sich dadurch aber sehr entspannt und ich konnte wieder besser durchschlafen und fühlte mich am Morgen erholt.

Peters Touren auf den Bantiger

Nach wie vor hatte Peter immer noch Freude und Lust seine alltäglichen Wanderungen auf den Bantiger zu unternehmen. Sein Weg führte ihn jeweils aufwärts Richtung Bantigen, beim Hornusserhüsli marschierte er vorbei und bei der Kreuzung Thalhöchi bog er rechts ab.

Von da an geht es nur noch steil bergauf, durch den Wald, auf schmalen Waldpfaden. Beim Bantigenhubel hatte er schon mal eine prächtige Aussicht. Dann wird’s aber richtig steil, Treppen führen aufwärts, bis er dann beim Turm angelangt war.

Zuletzt, und dass liess er sich nicht nehmen, hat er auch noch die Treppen bis auf die Plattform des Turms erklommen. Welch herrliche Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen konnte er dann geniessen. Oben angelangt, hat er sich zur «Belohnung» seine Tabakpfeife gestopft und die Ruhe genossen.

Bei jedem Wetter hat Peter den Weg unter die Füsse genommen, gute Schuhe, ja, das war eine Voraussetzung. Der Weg war oft auch nass, rutschig und zum Teil verreist, aber soweit nicht gefährlich, Peter konnte wohl stürzen, aber nirgends abstürzen.

Ich war froh bewegte sich Peter, war an der frischen Luft und oft hat er erzählt, er hätte andere Wanderer getroffen und mit ihnen ein paar Worte gewechselt. Mir tat es gut, dass ich ihn nicht dauernd um mich hatte und so etwa 2,5 Stunden meine eigene Zeit hatte und mit meinen Aktivitäten ausfüllen konnte.

Wie oft habe ich ihm nachgeschaut, bis er nicht mehr zu sehen war und wie oft habe ich gewartet auf seine Rückkehr, die damals immer erfolgte.

Peter im Spital

Im Frühsommer klagte Peter zunehmend über Rückenschmerzen. Zu sehen, rein äusserlich, war aber nichts. Er ist überhaupt kein «Jammeri» und beisst eher die Zähne zusammen. Es wurde aber nicht besser und so gingen wir zum Hausarzt. Die Untersuchung in der Praxis führte noch zu keinem Resultat. Weiter gewiesen wurden wir in die Permanence zum CT. Da wurde dann festgestellt, dass Peter zwei Wirbel gebrochen hatte und diese stabilisieren lassen musste. Wir würden dieses Jahr die Krankenkasse wieder arg strapazieren…

Natürlich waren die Wirbel wahrscheinlich von einem Sturz gebrochen (Peter konnte sich aber nicht erinnern) Es wurde aber auch eine leichte Osteoporose festgestellt, die er von nun an mit Calcium im Griff behalten musste.

Logisch, der Knochenschwund in den Wirbelkörpern kann dazu führen, dass die Wirbel schon bei geringer Belastung brechen und zu Schmerzen und Haltungsschäden führen.

Die Behandlung seiner Wirbel wurde mit der Technik der Knochenzementierung gemacht. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Mit einer Hohlnadel wird mit grossen Druck Knochenzement in den Wirbel injiziert. Der dünnflüssige Knochenzement verteilt sich gleichmässig im gebrochenen Wirbel und härtet in kurzer Zeit aus.

Alles gut und schön, aber wie sollte das im Spital bloss gehen? Peter musste mindestens 3 Nächte bleiben. Fremder Ort, fremde Leute, nicht genau verstehen, was gemacht wird, für einen Demenzkranken schwierig. Für die Angehörigen aber auch. Sollte ich nun im Spital übernachten? Ihm beistehen und helfen? Der Arzt machte mir einen Vorschlag. In der Klinik helfen sogenannte «Sitzwachen», dies sind entweder pensionierte Pflegekräfte, oder Medizinstudenten, die sich etwas dazu verdienen wollen, aus. Die Person betreut und begleitet den Patienten Tags, aber auch in der Nacht ist jemand im Zimmer und hilft, wenn der Patient aufstehen muss, oder unruhig wird. Peter bekam ein Einzelzimmer. Welch Luxus und welche Erleichterung! Wieder einmal war ich äusserst dankbar, leben wir in der Schweiz mit diesen unglaublichen Möglichkeiten.

Peter hat den Eingriff gut überstanden. So ganz genau wusste er nicht was passierte. Ihm war schon klar, dass es etwas mit seinem Rücken zu tun hatte. Er hat immer von «betonieren» gesprochen, dass der Eingriff schon vorbei war hat er nicht realisiert. In der Nacht war es dann wirklich nötig, dass er jemanden bei sich hatte und nicht einfach aufstand. Wir mussten im Spital lernen wie Peter «richtig» aufsitzt und aus dem Bett steigt. Als ich ihn abholte, traf ich ihn gut gelaunt auf der Dachterrasse beim Kaffee, mit «seiner» Sitzwache.

Es gab nach ca. 4 Wochen eine Nachkontrolle die positiv ausfiel. Schmerzen hatte er keine mehr, obwohl so genau mitteilen ob und wo der Schmerz sitzt, konnte er schon damals nicht mehr sehr gut.

Jedenfalls vom Wandern liess er sich nicht abhalten und bald hat er seine Touren auf den Bantiger wieder aufgenommen.

4 Kommentare zu „Herausforderung Spital

  1. Liebe Frau und Herr Christen!
    So, jetzt muss ich dann auch mal auf den Bantiger wandern, scheint nach Ihren Fotos und der Beschreibung, ein schöner Weg zu sein. Ich war noch nie dort oben!
    In diesem Beitrag ist gar nichts von Eurer aktuellen Situation beschrieben… ich hoffe sehr, es geht euch beiden gut!
    Herzlich,
    Kathrin Portmann

    1. Liebe Frau Portmann

      Keine News sind gute News, nein, uns geht es gut und wir kommen mit der Situation gut zurecht. Ab Mai wird eine Assistenzperson, mit Maske und Desinfektionsmittel, Peter wieder betreuen:-) Ich bin sehr dankbar dafür, so habe ich ein wenig freie Zeit für mich.
      Es würde mich sehr freuen, wenn Sie den Weg auf den Bantiger unter die Füsse nehmen und natürlich bei uns auf einen Kaffee vorbeischauen.

      Herzliche Grüsse

  2. Lieber Manni

    Danke für dein feedback, schön, wenn du den Blog so regelmässig verfolgst. Ich hoffe du bist gesund, wahrscheinlich ist es aber auch für euch eine schwierige Zeit. Besuche und Veranstaltungen sind wohl abgesagt alle……Hoffen wir auf bessere Zeiten!
    Ja, das waren noch Zeiten, als Peter auf den Bantiger marschiert ist, heute schafft er mal noch ca. 100m
    Es ist wies ist!
    Dir einen guten Wochenstart und liebe Grüsse

  3. Liebe Regina, lieber Peter,

    Es ist für mich immer ein „Aufsteller“ von Dir und Peter über Euer tägliches SEIN und Tun zu hören.
    Schön, dass Peter – nach dem ärztlichen Eingriff – seine Ausflüge auf seinen geliebten Bantiger wieder täglich unternehmen kann. Das ist für Peter sicher immer eine grosse Befriedigung und Abwechslung und für Dich eine Entlastung vom stark befrachtetem Alltag, da kannst Du wieder etwas „durchatmen“.
    So wünsche ich Euch beiden einen angenehmen Sonntagabend.

    Liebi Grüess
    Manni

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