Kann man einer Demenzerkrankung vorbeugen?

Dieser Frage versuche ich ein wenig nachzugehen. Oft haben mich Aussagen geärgert, Aussagen die suggerieren, wenn du gesünder gelebt, oder nicht geraucht, oder mehr Sport gemacht hättest, wärst du nicht an einer Demenz erkrankt. Die Schuldfrage wird so dem Kranken zugeschoben, so nach dem Motto: selber Schuld…

Ist es wirklich so einfach?

Wir wissen mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer sind unheilbar. Trotz intensiver Forschung und Medikamenten im Test. Alles, was bisher an Therapien zur Verfügung steht, kann den Verfall der geistigen Fähigkeiten nur verlangsamen, Symptome lindern, die Lebensqualität – mit der Krankheit – etwas verbessern. Anders gesagt, wenn gewisse Anzeichen und Symptome da sind, ist es fast schon zu spät.

Ich denke oft über die Lebensführung von Peter und mir nach. Haben wir uns genug Gedanken gemacht? Haben wir genug zur Vorsorge getan und war unser Lebensstil gesund oder ungesund?

Unser Lebensstil

Essen und Trinken: Peter ist in einer Bauernfamilie aufgewachsen. In seiner Kindheit kam viel frisches Gemüse, Salat, aber natürlich auch Fleisch auf den Tisch. Als wir dann selber eine Familie gründeten, versuchte ich möglichst ausgewogen zu kochen. Auch wir hatten einen kleinen Gemüsegarten, aber natürlich assen wir auch mal eine Fertigpizza, oder eine Rösti aus dem Beutel.

Getränke im Alltag waren zu den Mahlzeiten vor allem Mineralwasser. Wir tranken aber auch sehr gerne ein gutes Glas Wein. Diese Vorliebe wurde zu einem gemeinsamen Hobby. Wir bereisten sehr gerne die verschiedenen Weinregionen in Italien oder Frankreich.

Auch Kaffee liebten wir beide und tranken oft zusammen eine Tasse.

Rauchen: Ja, das liebe Rauchen… Als ich Peter kennenlernte rauchte er ab und zu seine schrecklichen Menthol-Zigaretten. Er schwenkte dann bald um, auf Tabakpfeife. Bis zum Jahr 2018 rauchte er regelmässig, meist nach Feierabend, seine Pfeife. Ich liebte den Duft und wusste immer, Peter hat Feierabend, war entspannt und zufrieden. Aufgehört mit Rauchen hatte Peter, weil er plötzlich nicht mehr wusste wie eine Pfeife gestopft wurde und auch, wie er seine Pfeife anzünden musste.

Bewegung: Unter Bewegungsmangel litt Peter nicht. Seine Söhne hielten ihn auf Trab. Seine Hobbies mit Skifahren, Wandern und Klettern ebenfalls. Bei seiner Arbeit als Netzelektriker, war er immer auf den Beinen. Wie oft habe ich ihn bewundert, wenn er mit dem schweren Material, gut angegurtet, mit den Steigeisen, einen hohen Mast hochkletterte. Wie oft musste er durch Wiesen, Wald und unwegsames Gelände gehen, um eine Störung im Stromnetz zu suchen? Die Arbeit gefiel ihm sehr, obwohl sie oft schwer und herausfordernd war.

Soziale Kontakte: Durch unsere Kinder hatten wir regen Kontakt mit anderen Eltern. Unsere Familien sind und waren intakt und oft besuchten wir die Eltern und Geschwister an den Wochenenden. Wir hatten Freunde, die wir regelmässig besuchten und auch einluden. Peter war in der Feuerwehr, er war im Chor und übernahm da auch Ämter als Kassier und im Vorstand. Wir hatten einige Ferienbekanntschaften aus Deutschland und Italien und da besuchten wir uns regelmässig.

Diabetes und Übergewicht: Diabetes kam in Peters Familie nicht vor. Peter war nicht mager, aber auch nicht übergewichtig.

Vererbung: Wie bereits beschrieben, erkranke Peters Mutter an Alzheimer. Dies geschah aber erst im Alter von über 70 Jahren. Nur etwa ein Prozent aller Alzheimer-Fälle ist eindeutig erblich bedingt.

Risikofaktoren

Ich habe recherchiert und laut verschiedenen Studien gibt es Faktoren, genau diese Risikofaktoren, die ich oben beschrieben habe. Es heisst auch, dass wir mit Vorbeugung diese Faktoren zum Teil selber beeinflussen können.

Gesundes Essen, viel Bewegung und aktive Teilnahme am sozialen Leben helfen, das Risiko zu reduzieren.

Indem wir folgende fünf Tipps befolgen, tragen wir viel zu einem gesunden und leistungsfähigen Gehirn bei. Die grösste Wirkung erzielen wir, wenn wir alle Tipps kombinieren.

Tragen wir Sorge zum Herzen

Rauchen, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Diabetes und Übergewicht belasten die Blutgefässe – auch im Gehirn. Dadurch entsteht ein erhöhtes Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko. Forschungen zeigen, dass genau diese Faktoren auch Einfluss auf eine Demenzerkrankung im Alter haben.

Bewegen wir uns regelmässig

Mit regelmässigem Sport können wir das Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken, senken. Körperliche Aktivitäten wirken sich positiv auf den Blutdruck und das Gewicht aus. Ausserdem lässt sich mit Sport das Diabetes-Risiko reduzieren, da Menschen mit Diabetes häufiger an Demenz erkranken.

Essen wir gesund

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist genauso wichtig wie regelmässige Bewegung. Es gibt Nahrungsmittel, die den Organismus positiv beeinflussen. Früchte, Gemüse, pflanzlichen Öle (Raps- oder Olivenöl), Fisch, Kohlenhydrate aus Teigwaren, Vollkornbrot, Reis. Weniger gesund sind Fertigmahlzeiten, rotes Fleisch, gesättigte Fettsäuren (Fleisch, Wurstwaren, fettreiche Milchprodukte wie Käse, Rahm und Butter) sowie zu viel Salz und Zucker.

Trainieren wir das Gedächtnis

Das Gehirn hat eine enorme Speicherkapazität und unglaubliche Fähigkeiten. Diese wollen trainiert werden. Gezieltes Training hilft, das Gehirn fit zu halten. Eine neue Fremdsprache lernen, Karten spielen, Musik machen oder ein Gedicht auswendig lernen sind ideale Gehirntrainings und tragen zur Demenz-Prävention bei.

Treffen wir uns mit anderen Menschen

Auch mit der Pflege von sozialen Kontakten können wir das Demenzrisiko reduzieren: Treffen mit Freunden und der Familie, austauschen und sozial aktiv bleiben. Nehmen wir uns Zeit für Menschen, die uns wichtig sind. Körperliche Bewegung, geistiges Training und soziale Kontakte halten Geist, Körper und Seele jung.

Nun, wenn ich so darüber nachdenke sehe ich, dass einige Faktoren nicht beinflussbar waren. Peter ist nicht «nur» selber schuld an seiner Krankheit.

Abschliessend kann aber gesagt werden, dass einige Faktoren hätten eliminiert werden können, wie das Rauchen oder noch eine bessere Gewichtskontrolle.

Dennoch, nicht jeder der raucht bekommt Lungenkrebs, nicht jeder der übergewichtig ist und ein Bewegungsmuffel, bekommt einen Herzinfarkt. Auch bei Demenzerkrankten müssen wahrscheinlich verschiedene Faktoren zusammentreffen.

Geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die Forschung weitere Faktoren herausfindet und noch gezielter einer Erkrankung an Demenz vorgebeugt werden kann. Oder noch besser, dass ein Mittel zum Heilen gefunden werden kann.

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