Still Alice: Mein Leben ohne gestern

Oder von einem Film der mich tief berührte…

Als die Diagnose von Peter Wahrheit wurde, habe ich viele Fachbücher gelesen. Meist trocken, nüchtern und vollgespickt mit Ausdrücken, die ich oft zuerst nachschlagen musste.

Natürlich wollte ich auch Bücher lesen, die wahre Schicksale wiedergaben. Ich wollte wissen, wie die Menschen mit der Krankheit umgehen, seien es die Betroffenen selber, oder eben auch die Angehörigen. Ein spezielles Buch will ich hier vorstellen. Für mich ist es das Buch der Bücher betreffend Demenz, so anschaulich, nah und verständlich erzählt. Es handelt von Emotionen, von Trauer, Verzweiflung, aber auch von der Hoffnung, und nicht zuletzt von der Liebe.

Geschrieben hat das Buch Lisa Genova, eine amerikanische Neurowissenschaftlerin und Buchautorin. Entstanden ist es bereits im Jahr 2009. Passend zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung schreibt Lisa Genova Romane über Menschen mit neurologischen Krankheiten oder Problemen. Sie legt dabei Wert darauf, die Gefühlswelt dieser Menschen zu beschreiben, erwähnt aber auch die wissenschaftliche Seite.

Schon das Buch hat mich gepackt und zutiefst berührt. Dann wurde das Werk 2014 verfilmt und kam im Jahr 2015 in die deutschsprachigen Kinos. Wenn ein Buch verfilmt wird, ist es oft so, dass der Film dem Buch niemals gerecht wird. Dies war jedenfalls oft meine Erfahrung. Hier traf dies jedoch nicht zu. Ich war von der Umsetzung begeistert und das lag natürlich auch an den grossartigen Schauspielern.

Die Handlung

Mit Anfang 50 bemerkt die anerkannte Linguistin Dr. Alice Howland erste Veränderungen. Sie leidet gelegentlich an Orientierungslosigkeit und vergisst während ihrer Vorträge einzelne Begriffe. Zuerst misst sie dem noch keine Bedeutung zu. Als es nicht besser wird lässt sie sich in einer Klinik testen. Die neurologische Untersuchung bringt zu Tage, dass Alice unter einer vererbbaren, früh einsetzenden Form der Alzheimer-Krankheit leidet. Diese Gewissheit schockt nicht nur sie und ihren Mann, sondern auch ihre drei erwachsenen Kinder.

Ihrem Umfeld verschweigt Alice ihre Krankheit und offenbart diese erst, als sie vom Leiter ihrer Universität wegen Beschwerden ihrer Studenten zum Gespräch gebeten wird. Ihr Wunsch, noch einige Zeit zu unterrichten, wird nicht erfüllt. In dieser Zeit wird sie von ihrem Arzt gebeten, eine Rede bei einer Veranstaltung einer Vereinigung für an Alzheimer Erkrankte zu halten. Die Rede wird ein voller Erfolg, weil sie ihre persönlichen Erfahrungen einfliessen lassen kann. Darin offenbart sie nämlich ihre Ängste, berichtet aber auch über Situationen, die sie am Leben festhalten lassen.

Das Gedächtnis von Alice verschlechtert sich zusehends, und clever wie sie ist, entwickelt sie einen Plan, um sich etwas Selbstbestimmtheit zu erhalten. Sie nimmt ein Video auf, in dem sie ihrem späteren Ich befiehlt, den kompletten Inhalt einer Dose Medikamente zu schlucken, wenn sie nicht mehr in der Lage wäre, einfache Fragen über sich und ihre Familie zu beantworten. Sie möchte ihrem Leben so ein Ende setzen. Sie trainiert regelmässig ihr Gedächtnis mit Lernkarten, die sie stets mit sich führt. Das ist für sie eine Überprüfung, wie rasant ihr Gedächtnis, ihr den Dienst versagt.

Mir der jüngsten Tochter Lydia hat Alice es nicht so gut, sie will Schauspielerin werden und bricht die Uni ab. Alice versteht dies nicht und die beiden haben manchen Disput.

Alice‘ Mann bekommt ein Jobangebot außerhalb von New York und schlägt einen Umzug vor. Alice kann sich aber überhaupt nicht vorstellen ihre gewohnte Umgebung zu verlassen und so bleiben sie in New York, in ihrem Haus.

Alice kann sich immer schlechter konzentrieren und beim Stöbern auf ihrem Computer, stösst sie auf Ihre eigene Botschaft von ihrem früheren Ich. Die Botschaft, die beschreibt wo die Tabletten sind, wie sie sie einnehmen muss, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dies ist fast der eindrücklichste Teil des Films. Ich war hin und her gerissen, soll ihr das Vorhaben gelingen, oder ist das Leben von Alice doch noch lebenswert? Natürlich ist es lebenswert!

Sie findet ihre Tabletten auch, leert sie dann aber aus Versehen aus und weiss plötzlich nicht mehr was sie überhaupt mit den Tabletten machen wollte. Zudem kommt die Haushälterin dazu, überrascht Alice und hindert sie daran den Plan auszuführen.

Liebe

Alice geht es immer schlechter, alleine kann sie nicht mehr aus dem Haus und Lydia beschliesst zu ihrer Mutter zu ziehen und sie tagsüber zu betreuen. Die Beziehung der beiden hat sich zunehmend verbessert. Während niemand anders mehr in der Lage ist, sich um Alice zu kümmern, kann alleine Lydia ihr eine Hilfe sein. Ihre eigene Haltlosigkeit wird zu ihrem großen Plus im Umgang mit der Mutter. Und so bleibt sie auch die Einzige, die Alice weiterhin in ihren Bedürfnissen ernst nimmt.

Am Schluss des Films, auch dies wieder ein sehr emotionaler Teil, liest Lydia ihrer Mutter ein Gedicht vor. Sie fragt ihre Mutter wovon das Gedicht handelt und nach ihrer Meinung. Nach einigen Momenten und mit sichtlicher Anstrengung erwidert Alice nur ein Wort: Liebe

Schauspieler

Getragen wird der Film durch eine grossartige Julianne Moore, die für diese Rolle den Oskar erhielt und durch Kirsten Stewart als Lydia. Alec Baldwin und die anderen Schauspieler bleiben eher blass.

Julianne Moore lässt durch ihre Mimik und Gestik die Veränderungen, die mit der Alzheimer Krankheit einhergehen, spürbar werden. Sie wird im Verlauf des Films zu einer anderen Frau. Sehr deutlich wird es in der Szene, in der Alice sich das Video anguckt, das sie zu Beginn ihrer Krankheit aufgenommen hat. Für uns Zuschauer werden die Unterschiede zwischen der gesunden und der kranken Alice, die Veränderungen, nochmals sehr deutlich.

Natürlich ist das Verlieren der eigenen Person vor allem eins: ein erbärmlich schrecklicher Prozess. Und zwar für alle Beteiligten. Den Zuschauer eingeschlossen, der in „Still Alice“ Julianne Moore über 95 kräftezehrende Minuten dabei zuschauen muss, wie sie zäh kämpft, irgendwann dann doch loszulassen beginnt, und am Ende nichts mehr zu fassen bekommt.

Demenz, beziehungsweise Alzheimer, kann jeden treffen. Dabei ist es egal, welchen Status und welchen Grad an Intelligenz die betroffene Person vor der Diagnose und dem Eintritt der ersten Symptome besitzt. Still Alice nimmt sich diesem wichtigen und schmerzhaften Thema absolut authentisch und empathisch an. 

Es ist nicht leichte Kost, aber wer sich mit dem Thema auseinandersetzen will, dem kann ich den Film wärmstens empfehlen!

2 Kommentare zu „Still Alice: Mein Leben ohne gestern

  1. Liebe Regina

    Den Film haben wir auch schon gesehen, vor noch nicht all zu langer Zeit. Wir haben dabei auch an dich und Peter gedacht.

    Der Film hat auch uns berührt – und einmal mehr gezeigt, was man hat, wenn man gesund ist!

    Ich wünsche dir einen ganz schönen Tag in eurer neuen Wohnung!

    Liebe Grüsse

    Andreas

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